Donnerstag, 04 Oktober 2012 00:00

Inlinern und Telemarken

geschrieben von 
ImageViele von uns sind im Sommer auf Inlinern unterwegs und sehen darin die perfekte Ausgleichssportart zum winterlichen Telemarkfahren. Besonders intensiv betreibt Ann-Krystina Wanzke das Inlinern, die uns in einem Interview über Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Sportarten aufklärt.

Zur Person: Ann-Krystina Wanzke ist in Sachen Inlnern dreifache Vizeweltmeisterin (1x 2010: Slalom; 2x 2012: Teamslalom & Riesenslalom), 3. Platz WM Slalom 2012, 2. Platz Inline Alpin Gesamtweltcup 2012, insgesamt 3 Weltcupsiege & mehrere Podestplätze im Weltcup. Und sie ist Telemarkerin seit 2010

Servus Ann-Krystina, stell Dich bitte kurz vor, beruflich und privat.
Ann-Krystina Wanzke: Mein Name ist Ann-Krystina Wanzke, ich bin 24 Jahre alt und Architekturstudentin. Meine Heimatverein ist der DAV Neu-Ulm. Ich bin Mitglied im Ski Inline Team des Deutschen Skiverbandes sowie im Sponsorenteam des Skiklub Sauerland Iserlohn e.V..

Welche Sportarten übst Du noch aus, wenn Du nicht gerade in Sachen Inline unterwegs bist?
Ann-Krystina Wanzke: Neben dem Ski Inline von Anfang März bis September betreibe ich Slacklinen und Schwimmen als Ausgleich. Im Winter natürlich Ski Alpin und seit vorletzter Saison hat es mich mit Telemark erwischt. In der kommenden Saison werde ich wohl nur noch mit freier Ferse unterwegs sein.

Beschreibe bitte in einigen wenigen Sätzen den Begriff Inline Alpin bzw. Ski inline.
Ann-Krystina Wanzke: Ski Inline unter Wettbewerbsbedingungen ist dem alpinen Slalom im Winter auf Ski sehr ähnlich, nur eben auf Asphalt. Alles was man dazu braucht ist eine abschüssige Straße mit 6-14% Gefälle, Kippstangen und Platten, mit denen die Stangen fixiert sind, Schutzausrüstung, Skistöcke und Inliner.

Wie bist Du zum Telemark gekommen?
Ann-Krystina Wanzke: Durch einen Telemark Schnuppertag in der Skischule, für die ich im Winter als Skilehrerin tätig bin. (Skischule Müller Fürstenfeldbruck, sehr Telemark begeisterte Skischule! :-))

Was sind die wesentlichen Unterschiede zwischen Ski-Inline und Telemark, wo gibt es
Gemeinsamkeiten?
Ann-Krystina Wanzke: Die Unterschiede sind auf den ersten Blick natürlich ganz klar in Hinblick auf Sommer- bzw. Wintersportart. Beim Telemark wird eher die Ausdauermuskulatur beansprucht beim Ski Inline ist Schnellkraft gefordert. Aber es gibt auch einige große Gemeinsamkeiten, die man eigentlich im Zusammenhang freie/feste Ferse nicht so erwartet: So ist die Idealposition beim Inline Alpin wie beim Telemark ein aufrechter Oberkörper, die gleichmäßige Druckverteilung beim Schwung ist ebenfalls vergleichbar, Stichwort "Hüftknick" plus Druck auf die Außenkante Bergfuß, damit man über den Ski/Rollen steht. Beim Telemark ausgestellt und beim Inline parallel.

Inline Alpin findet auf Asphalt statt, wie schützt man sich, warst Du schon einmal verletzt?
Ann-Krystina Wanzke: Der Großteil der Fahrer trägt einen Helm mit Kinnschutz, eine Protektorenjacke und –hose, Schienbeinschoner und Mountainbikehandschuhe. Eigentlich stammt die gesamte Schutzausrüstung aus dem Mountainbikebereich. Große Verletzungen hatte ich bisher noch keine. Natürlich zerlegt es einen hier und da schon mal, aber das geht in der Regel harmlos aus.

Kann man mit herkömmlichen Kaufhausmaterial Inline Alpin fahren, welches Material
verwendest Du?
Ann-Krystina Wanzke: Könnte man theoretisch schon, die meisten von uns haben mal so angefangen. Wenn man aber ganz nach oben will, sollte man Skates und Rollen aus dem Bereich Speedskating benutzen. Es ist wie in anderen Sportarten auch, grundsätzlich geht alles, aber es macht mehr Spaß mit gutem Material. Ich persönlich bevorzuge Speedskates des Marktführers mit hohem Schaft und je nach Asphalt und Witterungsbedingungen (warm/kalt, trocken, nass) unterschiedlichen Rollen in 84 und 110 mm.

Inline Rennen finden also bei jedem Wetter statt, auch wenn es regnet?
Ann-Krystina Wanzke: Klar, das ist eine Outdoorsportart, die findet bei jedem vertretbaren Wetter statt, auch bei Regen.

Und da fährt man dann wie auf Schmierseife?
Ann-Krystina Wanzke: Eigentlich nicht, da gibt es seit Jahren schon gute Regenrollen, die auch bei nasser Fahrbahn haften. Wenn ich ehrlich bin, sind Regenrennen sogar eine Spezialität von mir.

Wie groß ist der Trainingsaufwand, um bei einer nicht olympischen Sportart auf Deinem Level
so erfolgreich zu sein?
Ann-Krystina Wanzke: Ich trainiere 2-3 x in der Woche Stangen und zusätzlich in der Woche, je nach dem wie es sich einrichten lässt, noch Trailrunning, Seilspringen und Ausdauereinheiten auf Skates. Hinzu kommen noch 3 – 5 Trainingslager mit dem DSV Team und dem Sponsorenteam. Da muss man den Sport schon sehr lieben, da es bei uns nicht um finanzielle Interessen, sondern nur um den Platz auf dem Stockerl geht.

Letzte Frage zum Thema: Bringt Telemark Dich für die Inline Saison sportlich weiter?
Ann-Krystina Wanzke: In jedem Fall, mit Telemark kann man gut Kraft und Ausdauer zusätzlich trainieren. Aber eigentlich geht es für mich dabei gar nicht so sehr um den sportlichen Aspekt. In einer entspannten Umgebung einfach nur Spaß zu haben und mit Gleichgesinnten zu telemarken ist halt was komplett anderes und macht den Kopf frei. Im Frühjahr waren wir in Livigno und die Atmosphäre dort war schlicht phänomenal.

(Das Interview führte für uns Guido Lausch, Trainer Inline Alpin Team Iserlohn, Deutscher Meister 2011 Riesenslalom Ski Inline 41plus, Telemarker seit 2002.)
Gelesen 1304 mal
Artikel bewerten
(0 Stimmen)

empfohlene Artikel

Anmeldung



Google AdSense

Telemarkfreunde

Aktuell sind 42 Gäste und keine Mitglieder online